SounArte - Kirche SZB

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Fotos: Jürgen Leonhardt
Leidenschaft und Lebesfreude
Im Programm "Scherzi Musicalis" erklangen Stücke zu Liebesleid und Liebesfreud

Wer am Montag, 20. Juli 2020 in der Kirchenbank in St. Georgen saß und mit geschlossenen Augen das 3. Konzert des „Musiksommers 2020“ erlebte, wähnte sich in die Zeit an der Schwelle von der Renaissance zum Barock versetzt.
Ursächlich dafür waren musikalische Kompositionen des 16. Und 17. Jahrhunderts, meisterhaft intoniert durch die Gruppe „SounArte“. Vier Musiker und eine Sopranistin, die sich der Aufführungspraxis der Musik dieser Zeit verschrieben haben. Zum ersten Mal waren Friederike Urban (Sopran), Katja Johanning und Luise Ludewig (Blockflöten) Ekkehard Werner (Schlüsselfiedel / Violine) sowie Diethard Krause (Viola da gamba) in dieser Formation zum „Musiksommer“ nach Schwarzenberg gekommen. Im Gepäck hatten sie Stücke von Johann Heinrich Schmelzer, Heinrich Schütz, Claudio Monteverdi, Diego Ortiz und anderen.
Neben der ausdrucksstarken Stimme Frederike Urbans begeisterten vor allem die Virtuosität Johannings und Ludewigs mit ihren Blockflöten. Anfangs heiteres jubilierend, im Anschluss melancholisch klagend füllten sie mit ihrem weichen Klangbild den gesamten Kirchenraum und erzählten von Lieb und Leid aus der Zeit des Frühbarocks.
Ungewohnt, aber nicht minder interessant die Töne aus der „Schlüsselfiedel“, einem Streichinstrument, dessen Saiten über Tasten abgegriffen werden. Ein kurzer Bogen versetzt diese dann in Schwingung. Resonanzsaiten (Sympathiesaiten) liegen unter den Melodiesaiten und werden nicht mit dem Bogen berührt, sondern durch die gespielten Töne und deren Obertöne zum Mitschwingen angeregt. Das verstärkt den Klang und simuliert einen Hall-Effekt.
Diethard Krause an der Viola da gamba untermalte die hohen Töner der Flöten mit dem dunklen, rauen Timbre der „Schoßgeige“.
Eine Stunde entschleunigende mittelalterliche Musik von Hand gemacht – ein wohltuender Kontrast zur Hektik und Unruhe des Alltags.
J.L.
21.10.2020
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