Musiksommer 2021-9 - Kirche SZB

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Fremd bin ich eingezogen ...
Herausragende Aufführung Franz Schuberts „Winterreise“ im Arrangement Gregor Meyers

Sie gehört wohl zu den bedeuteten musikalischen Schöpfungen der Romantik und stellt einen Höhepunkt des Kunstliedes dar - Franz Schuberts „Winterreise“. 1827 komponierte er als eines seiner letzten Werke diesen Liederzyklus. Den 24 Stücken liegen Gedichte von Wilhelm Müller zugrunde, die Schubert zur größtmöglichen Symbiose von Wort und Melodien vereint. Das Werk zählt laut Bielefelder Katalog zu den meistrezipieren Werken der klassischen Musik.
Schubert schrieb den Zyklus in der Besetzung für Klavier und Singstimme. Darüber hinaus kennt man zahlreiche Arrangements für Orchester und Singstimme, für Gitarre, für Viola und Klavier oder auch für Drehleier und Sopran.
Am Abend des 6. September erlebten die Zuhörer ein Arrangement von Gregor Meyer, Gewandhauschorleiter in Leipzig, für Bariton, Chor und zwei Akkordeons.
Um es gleich vorwegzunehmen: Mit dieser Aufführung erreichte der Musiksommer 2021 in Schwarzenberg nicht nur seinen offiziellen Abschluss, sondern auch seinen musikalischen Höhepunkt.
Dem wohlüberlegte Arrangement Gregor Meyers gelingt es, neben dem gesungenen Text des Bariton dem Chor eine eigene Position zu geben und zur Deutung und Unterstreichung des Liedtextes wesentlich beizutragen. Dabei ergänzten sich Solist und Chor auf subtile Weise und formten die „Winterreise“ zu einem neuen alten Werk voller Harmonie, Emotionen und musikalischer Vielfalt. Es war eine Freude zu sehen und zu hören, wie die Sänger des Gewandhauschores unter dem Dirigat Meyers die einzelnen Stücke intonierten und den zuweilen tief dramatischen, von Liebe, Leid und Wehmut erzählenden Texten Müllers Ausdruck verliehen. Im Wechselspiel mit dem ausdrucksstarken Gesang Tobias Berndts zeichnete sich der Chor vor allem durch Homogenität und Klangfülle aus.
Gregor Meyer schrieb das Arrangement ursprünglich für Chor, Bariton und die Begleitung durch ein Klavier. Am Abend übernahmen die beiden Akkordeonspieler Heidi und Uwe Steger, die ihr Instrument an der Hochschule für Musik Hans Eisler in Berlin studiert haben, den Part des Pianos. Dabei liefen beide Musiker zu Höchstleistungen auf und behaupteten sich neben Solist und Chor als ebenbürtiger Teil des musikalischen Ganzen. In dieser Besetzung war das Werk unter dem Arrangements von Gregor Meyer übrigens erstmalig zu hören, was dem Konzert neben der herausragenden Leistung aller Interpreten noch ein zusätzliches Alleinstellungsmerkmal verlieh.
„Für mich war dieses Konzert der bisherige Höhepunkt des Musiksommers!“, so ein begeisterter Konzertbesucher, der wie die meisten Zuhörer stehend den Interpreten durch lang anhaltenden Applaus seinen Respekt und seine Anerkennung zollte.

„Kömmt mir der Tag in die Gedanken,
möcht‘ ich noch einmal rückwärts sehn ...“

Ja, noch lange wird dieses Konzert in den Gedanken, Ohren und Herzen der Besucher bleiben.
Mit der Aufführung der Schubertschen Winterreise in neuem Arrangement setzten die Interpreten dem Musiksommer 2021 in der St. Georgenkirche Schwarzenberg einen glanzvollen Abschluss.

Tröstend wirkt da nur die Aussicht auf den 24. September, an dem der Dresdner Kammerchor unter der Leitung Hans Christoph Rademanns Werke des Dresdner Meisters Heinrich Schütz intoniert.
Text: J. Leonhardt
Fotos: St. Ditter, J. Leonhardt
11.10.2021
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